Home
Gedanken
Geschichten
Wer wir sind
   Thomas
      Homepage
         BLOG
            2005-07-03  <><
BLOGs
Pics
Impressum
 
  

Softwarepatente

Ich habe mir vor ein paar Tagen kurz Gedanken zum Thema Softwarepatente gemacht. Aber eigentlich gehören Softwarepatente ja in den größeren Zusammenhang der Patente allgemein. Hier ein paar Gedanken zum Thema Patente.

Was ist eigentlich ein Patent?

Wikipedia erklärt: Ein Patent ist ein hoheitlich erteiltes gewerbliches Schutzrecht, das ein zeitlich begrenztes ausschließliches Recht (Monopol) zur gewerblichen Nutzung eines technischen Verfahrens oder eines technischen Produkts gewährt. Ein Patent ist also nicht anderes als ein staatlich garantiertes Monopol auf eine Erfindung. Niemand sonst darf das patentierte Produkt oder Verfahren gewerblich nutzen - also damit Geld verdienen.

Wer hat von einem Patent einen Nutzen?

Es sollte zwei Nutznießer eines Patents geben: Zunächst den Erfinder, der das Patent angemeldet hat - er soll sozusagen den Lohn seiner Arbeit erhalten, indem er bestimmen darf, wer eine Erfindung gewerblich nutzt und zu welchen Bedingungen. Er hat sozusagen für eine beschränkte Zeit (also 20 Jahre) den alleinigen finanziellen Nutzen seiner Erfindung. Der andere Nutznießer sollte die Allgemeinheit sein: Jeder sollte in den Genuß der Erfindung kommen können, wenn er dies möchte; Erfindungen sollen also nicht vom Erfinder mit ins Grab genommen werden.
Die Realität ist aber nicht so einfach: Die Allgemeinheit hat für 20 Jahre keinen Nutzen von einem Patent, das vom Erfinder nicht genutzt wird und der auch keine Lizenzen zur Nutzung vergibt, und die Allgemeinheit leidet unter Patenten, für die es nur überteuerte (oder gar keine) Lizenzen gibt und für deren Nutzbarmachung der Patentinhaber Wucherpreise verlangt - was bei einem (zumal staatlich garantierten!) Monopol leider sehr oft passiert, ein Beispiel sind die Brustkrebs-Genpatente der Firma Myriad.
Fazit: Die Allgemeinheit hat oft keinen Nutzen von der Patentvergabe.

Wer ist der Erfinder?

Der Erfinder - und somit der Patentinhaber - ist üblicherweise nicht ein Ingenieur oder Techniker, der eine tolle Idee hatte, sondern die Firma, für die er zur Zeit seiner Erfindung gearbeitet hat. Dies hat eine seltsame Auswirkung: Der Erfinder selbst hat keinerlei Rechte an seiner Erfindung - wenn er zu einem späteren Zeitpunkt seine alte Firma verläßt, kann er seine eigene Idee nicht ohne Lizenz (die er möglicherweise nicht erhält) nutzen. Hier zeigt sich, daß das Patent garnicht dem etwas nutzt, dem es eigentlich gehören sollte.

Patentstreitigkeiten

Oft gibt es Patentstreitigkeiten: Eine Firma wirft einer anderen Firma vor, ihre Patente zu verletzen. Der typische Verlauf eines solchen Rechtsstreits sieht unterschiedlich aus:
  1. Konzern verklagt kleinen Betrieb: Normalerweise geht der kleine Betrieb pleite (Kosten für das Verfahren und bei Niederlage Lizenzkosten an den Konzern; keine ausreichende Patentsammlung für eine Gegenklage vorhanden).
  2. Kleiner Betrieb verklagt Konzern: Üblicherweise Gegeklage des Konzerns zu anderen Patenten, der kleine Betrieb kann dann je nachdem einen Vergleich erreichen (nichts gewonnen bei der ganzen Aktion), vom Konzern aufgekauft werden oder er geht pleite.
  3. Konzern gegen Konzern: Es erfolgt eine Gegenklage, man streitet sich eine Weile herum und die Verfahren werden mit einem Vergleich beendet (bei denen manchmal Lizenzzahlungen geleistet werden, manchmal werden Abkommen zur gegenseitigen Patentnutzung geschlossen).
Wirklich offen ist eigentlich nur ein Kampf zwischen zwei kleinen Betrieben, das dürfte aber eher selten auftreten.

Wer gewinnt? Die Patentanwälte gewinnen immer. Die Kosten der Verfahren werden von den beteiligten Firmen auf die Produkte umgelegt, der Preis steigt, es bezahlt also am Ende die Allgemeinheit. Manchmal geht eine Firma wegen eines Patentstreits pleite, Verlierer ist die Allgemeinheit wegen des in der Folge geringeren Wettbewerbs (der Preis für die Produkte steigt).

Fazit

Patente nutzen nur Konzernen und den Patentanwälten. Erfindungen dienen der Allgemeinheit nicht in dem Maße, in dem sie dies tun sollten. Vielleicht sollte man eher Patente generell abschaffen (und damit den Wettbewerb ankurbeln), statt sie auf andere Gebiete (wie zum Beispiel Software) auszudehnen. Die Allgemeinheit wäre damit auf lange Sicht besser dran...

Protest gegen Softwarepatente

Softwarepatente schaden der Wirtschaft und dem Internet. Die Wirtschaft der USA beispielsweise leidet stark unter regelmäßigen Softwarepatentstreitigkeiten. Gegenwärtig wird die Einführung von Softwarepatenten in Europa diskutiert. Informationen hierzu findet man unter http://swpat.ffii.org/ und http://patinfo.ffii.org/

Kommentare