Gott gehabt!

Dresdner Wort der Religionen

Am 3. Oktober 2016 gab es eine Initiative mehrerer Religionsgemeinschaften, die am Tag der Deutschen Einheit 2016 im gemeinsamen Zelt der Religionen versammelt waren. Man findet mehr Informationen unter http://www.dresdner-wort.de/ und ihre Erklärung unter http://www.dresdner-wort.de/wort/.

Ich möchte an dieser Stelle die Gelegenheit ergreifen und begründen, warum ich mich dieser Erklärung nicht anschließen kann, obwohl sie einige gute und richtige Punkte beinhaltet.

Die Erklärung beginnt wie folgt:

WIR SIND ÜBERZEUGT,

Diesen Teil könnte ich so unterschreiben, wenn nicht der letzte Punkt es zur Aufgabe des Staates machen würde, die Bürger auch in der Ausübung ihrer Religion zu fördern. Eine Trennung von Staat und Religion funktioniert doch erst da wirklich, wenn der Staat sich nicht um die Religion seiner Bürger kümmert - nicht zum Guten, aber auch nicht zum Schlechten. Religionsfreiheit bedeutet, dass der Staat sich nicht um die Religion seiner Bürger kümmert, damit der Bürger in seiner Religionsausübung frei von staatlicher Einmischung bleibt. Eine Förderung der Religion durch den Staat kostet Ressourcen, die auch denjenigen (zum Beispiel über Steuergelder) abverlangt werden, die der entsprechenden Religion nicht angehören. Das widerspricht einer sauberen Trennung von Staat und Religion.

Die Erklärung fährt fort:

WIR SIND DANKBAR DAFÜR,

WIR BEKLAGEN,

Diesen Teil würde ich in der Tat unterschreiben können. Er fasst einige wichtige Punkte zusammen.

Die Erklärung fährt allerding wie folgt fort:

WIR VERPFLICHTEN UNS,

Einige dieser Punkte könnte ich unterschreiben. Andere nicht, und das versuche ich hiermit zu begründen. Mich stört zunächst der Punkt, aufeinander zu hören, denn er ist mindestens missverständlich ausgedrückt. Ich kann nicht auf Angehörige anderer Religionen hören, wenn ich meine Religion für richtig halte und es in einem Bereich unterschiedliche Auffassungen gibt. Damit würde ich nicht meine Religion ausüben, sondern eine andere, und das widerspricht der freien Religionsausübung, die zuvor erst gefordert wurde. Ich kann hingegen Angehörige anderer Religionen anhören und versuchen, sie besser zu verstehen. Aber auf sie hören ist eine falsche Betonung.
Darüber hinaus stört mich der Punkt, dass die im Grundgesetz verankerte Gleichberechtigung von Männern und Frauen explizit hervorgehoben wird, denn das macht im Verhältnis dazu andere Bestimmungen des Grundgesetzes weniger wichtig, obgleich viele andere Punkte des Grundgesetzes ebenso wichtig sind. Noch dazu wäre zunächst einmal zu klären, was die Gleichberechtigung von Männern und Frauen fördert und was nicht. Wenn beispielsweise eine Frauenquote für Aufsichtsratsmitglieder von großen Konzernen gefordert wird, ist das keine Gleichberechtigung mehr, da es bei gleicher oder sogar geringfügig besserer Qualifikation eines Mannes diesen aufgrund seines Geschlechtes von der Aufgabe ausschließt und somit diskriminiert, wenn die Frauenquote noch nicht erreicht ist. Eine Diskriminierung von Männern unter dem Deckmantel der Gleichberechtigung findet heutezutage leider an vielen Stellen statt, und ich will nicht den Anschein erwecken, als ob ich ein derartiges Verhalten gutheißen würde. Daher ist dieser Punkt für mich leider nicht ausreichend klar eingegrenzt, um ihn unterschreiben zu können.

Fazit

Die Erklärung dieser Initiative enthält einige gute Punkte. Leider sind jedoch andere Punkte nicht eindeutig genug beziehungsweise leiten Pflichten ab, die in dieser Form nicht ohne Weiteres tragbar sind. Ich werde daher von einer Unterzeichnung der Erklärung absehen.

Thomas