Gott gehabt!

Christliche Werte?

Hin und wieder erlebt man eine Debatte um "christliche Werte". Allerdings verstehen verschiedene Menschen da etwas ganz unterschiedliches darunter. Und so unterschiedlich wie diese Ansichten sind, fällt dann auch die Antwort auf die Frage aus, wie man denn versucht, nach christlichen Werten zu leben.

Besonders häufig wird übrigens gerade von Nichtchristen in diesem Zusammenhang gesagt, die Bibel habe ja auch ein paar gute Stellen, die man für christliche Werte hält und die man so auch im eigenen Leben gerne verwirlicht sehen möchte. Zum Beispiel werden da die Zehn Gebote genannt - aber da habe ich persönlich bei vielen Menschen schon so meine Zweifel, ob die bereits das erste dieser Gebote wirklich ernst nehmen: "Du sollst keine anderen Götter neben mir haben!" - mit anderen Worten, nichts im Leben soll einen höheren Stellenwert haben als Gott. Nicht der Partner, die Familie, die finanzielle Lage, das Auto, der Job, der eigene Fußballverein, ...

Meiner Meinung nach faßt Jesus alle christlichen Werte - also das, was einem Christen so wertvoll erscheint, daß er danach leben will - treffend zusammen:

Er aber sprach zu ihm: "Du sollst den Herrn, deinen Gott, lieben mit deinem ganzen Herzen und mit deiner ganzen Seele und mit deinem ganzen Verstand." Dies ist das größte und erste Gebot. Das zweite aber ist ihm gleich: "Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst." An diesen zwei Geboten hängt das ganze Gesetz und die Propheten.
Matthäus 22,37-40

Was bedeutet das? Nun, eigentlich ganz einfach: Man kann alle christlichen Werte komplett vergessen, wenn nicht die Liebe zu Gott und die Liebe zu den Menschen die Triebfeder ist, die überhaupt dazu führt, daß man nach gewissen Werten leben will. Es geht nicht darum, ein "besserer" Mensch zu werden, es geht darum, sein ganzes Leben auf Gott auszurichten. Und da Jesus als Sohn Gottes mit Gott eins ist, bedeutet das letzten Endes, sein ganzes Leben auf Jesus auszurichten und ihn zu lieben.

Die Konsequenzen nennt Jesus übrigens auch:

Wenn ihr mich liebt, so werdet ihr meine Gebote halten.
Johannes 14,15
Moment - die Gebote Jesu halten? Da wird es heftig. Seinem Bruder nicht mehr zornig sein (Matthäus 5,22), keine Frau lüstern ansehen (Matthäus 5,28), sich nicht scheiden lassen (Matthäus 5,32), nicht schwören (Matthäus 5,34), die andere Wange hinhalten, wenn man geschlagen wird (Matthäus 5,39), seine Feinde sogar lieben (Matthäus 5,44), Ehrlichkeit beim Erstellen der Steuererklärung (Matthäus 22,15-22). Das sind nur ein paar kleine Punkte, es geht natürlich viel weiter.

Und wie oben bereits erwähnt, ohne die Liebe zu Gott ist es absolut sinnlos, diese Gebote halten zu wollen - weil das wichtigste fehlt.

Aber wie liebt man Gott? Die Antwort findet sich im ersten Johannesbrief:

Geliebte, laßt uns einander lieben, denn die Liebe ist aus Gott; und jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und erkennt Gott. Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt, denn Gott ist Liebe. Hierin ist die Liebe Gottes zu uns geoffenbart worden, daß Gott seinen eingeborenen Sohn in die Welt gesandt hat, damit wir durch ihn leben möchten. Hierin ist die Liebe: nicht daß wir Gott geliebt haben, sondern daß er uns geliebt und seinen Sohn gesandt hat als eine Sühnung für unsere Sünden.
1. Johannes 4,7-10
Anders ausgedrückt: Wir lieben nicht aus uns selbt heraus, sondern wir werden erst dazu fähig, Gott zu lieben, indem wir Gottes Liebe zu uns Menschen erst annehmen; also indem wir annehmen, daß Jesus für uns am Kreuz gestorben ist - und die Dankbarkeit darüber, daß wir dadurch erst fähig werden, Gott lieben zu können, diese Dankbarkeit ist die einzig sinnvolle Triebfeder, um unser Leben auf Gott auszurichten. Und alles weitere ist dann nur eine Konsequenz daraus: Um Jesus lieben zu können, soll man seine Gebote halten - dazu muß man sie kennen, also die Bibel regelmäßig lesen. Und eben nicht lesen um des Lesens willen, sondern aus Dankbarkeit und Liebe Gott gegenüber!

Und wenn ich jetzt so sehe, was ich da gerade aufgeschrieben habe, wird mir selbst klar, wie oft ich irgendwelche Dinge in den Vordergrund stelle und dabei die Liebe zu Gott vergesse. Ich habe da wohl noch einen Weg vor mir - vieles erst zu lernen, was noch fehlt in meinem Leben - und zwar in der Beziehung zu Gott. Alles andere ist zweitrangig...



Thomas